Inhalt oder Persönlichkeit, was wirkt?

Wann haben Sie das letzte Mal gedacht: „Wow, das war eine phantastische Einheit!“

Wenn man gut gelungene Einheiten analysiert, lassen sich bestimmte Erfolgsfaktoren extrahieren. Denken Sie doch an eine Sporteinheit an der Sie teilgenommen haben und die Ihnen außerordentlich gut gefallen hat. Was war es, das Sie so sehr begeistert hat? War es der Inhalt dieser Einheit oder mehr die Persönlichkeit des Trainers?

Das unmittelbare Feedback nach der Einheit ist hervorragend dazu geeignet, die Sympathie zwischen Trainer und Teilnehmer zu erfahren. Hat die Chemie in der Einheit gestimmt, dann gibt es dafür gutes Feedback. Die Sympathie überstrahlt so manches und deshalb werden beinahe alle Einzelheiten tendenziell besser bewertet.

Hat es weniger gut funktioniert auf der Beziehungsebene, dann sinkt auch die Gesamtnote. Gegen diese Gesetzmäßigkeiten können wir uns kaum wehren. Ein wenig zynisch nennen viele das Feedback-Zettelchen am Ende der Einheit „Sheet of Happiness“. Man kann sich vorstellen warum.

(Eine Möglichkeit für Lauf und Nordic Walking Trainer an differenziertes Feedback zu kommen habe ich im letzten Artikel beschrieben. Den Link finden Sie am Ende dieses Artikels)

Ein gewisser Anteil des Erfolgs von Sporteinheiten hängt von der Persönlichkeit der leitenden Person ab. Wie viel genau das sein soll, darüber scheiden sich die Geister. Viele der gängigen Kommunikationsmodelle präsentieren uns Vereinfachungen, um den Antworten auf die Schliche zu kommen. Ein sehr bekanntes Modell ist dabei jenes von Albert Mehrabian. Er definierte die 7% – 38% – 55% Regel.

Diese Regel besagt, dass folgende prozentuale Verteilung beim Übermitteln einer Botschaft zum Tragen kommt:

  • 7% der Wirkung durch die eingesetzten Worte
  • 38% durch die Stimme
  • 55% durch die Körpersprache

Wenn Sie jetzt denken, dass 7% für die Worte gar etwas wenig ist, dann stimme ich Ihnen zu! Auch wenn dieses Modell in vielen Kommunikationstrainings nach wie vor an der Tagesordnung steht, so ist es gleichzeitig eine der häufigsten Fehlinterpretationen!

Albert Mehrabian bezieht diese Verteilung lediglich auf das Äußern von Gefühlszuständen und betont selbst, dass diese Angaben nicht(!) für das Transportieren von Informationen gelten, so wie wir es in unseren Kursen tun. Lassen Sie sich das YouTube-Video am Ende dieses Beitrags zu dieser Fehlinterpretation nicht entgehen (in englischer Sprache).

Eine letztgültige Antwort auf die Eingangsfrage wird niemand guten Gewissens geben können, doch für einen zentralen Aspekt möchte ich Sie sensibilisieren:

Das gesprochene Wort im Sinne des wiedergegebenen Inhalts ist niemals alleine für die Wirkung Ihrer Botschaft verantwortlich. Bewertet wird von den Teilnehmern stets Ihr Gesamtauftritt.

Das Modell von Mehrabian ist ein Extremfall und für die Arbeit als Lauf-Trainer oder Nordic Walking Trainer nicht passend. Dennoch sollten wir die enorme Wirkung von Stimme und Körpersprache nie zu gering einschätzen. Versuchen Sie bewusster mit diesen Instrumenten umzugehen.

Überlegen Sie gezielt: Was werden Sie in Zukunft tun, um Ihre Stimme und Ihre Körpersprache in Ihrer Rolle als Instructor gewinnbringend einzusetzen?