Schmerzen an der Achillessehne gehören zu den häufigsten Beschwerden, mit denen Läuferinnen und Läufer konfrontiert werden. Die Achillodynie – eine Reizung oder Entzündung im Bereich der Achillessehne – kann den Trainingsalltag empfindlich stören. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Wissen lassen sich diese Beschwerden gezielt behandeln und langfristig vermeiden.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie eine Achillodynie entsteht, welche Symptome auf sie hinweisen und – vor allem – wie Sie wieder schmerzfrei laufen können.
Was ist die Achillessehne – und warum ist sie so belastet?
Bestimmt ist Ihnen der griechische Held Achilleus noch aus dem Geschichtsunterricht in Erinnerung – oder aus dem Film Troja mit Brad Pitt. Schon er, der eigentlich unverwundbar sein sollte, hatte am Ende seine Not mit der Ferse. Kein Wunder also, dass diese Stelle bis heute ihren Namen trägt.
Die Achillessehne ist mit einem mittleren Querschnitt von ca. 78 mm² die kräftigste Sehne des gesamten menschlichen Körpers. Das muss sie auch sein: Bereits bei normaler Gehgeschwindigkeit entstehen, wie biomechanische Untersuchungen eindrücklich belegen, Kräfte im Bereich des 3–4-fachen Körpergewichts. Bei Laufgeschwindigkeiten um 20 km/h erhöht sich diese Last auf das bis zu 8-10-fache, je nach Laufstil – ein aufschlussreicher Beleg dafür, warum selbst kleine Fehler im Training oder bei der Schuhmaterialwahl erhebliche Folgen haben können.
Die Aufgabe der Achillessehne besteht darin, die Kraft des Musculus triceps surae – also der Wadenmuskulatur – auf das Fersenbein zu übertragen. Sie ermöglicht die Plantarflexion (Beugung des Fußes in Richtung Fußsohle) sowie die Inversion (Auswärtskantung) des Fußes. Diese Bewegungen führen Sie aus, sobald Sie sich auf die Zehenspitzen stellen oder das Vorwärtskippen im Stand muskulär verhindern. Zusätzlich wirkt die Wadenmuskulatur stabilisierend auf Knie- und Sprunggelenk.
Was ist eine Achillodynie genau?
Der Begriff Achillodynie beschreibt eine schmerzhafte Reizung oder Entzündung im Bereich der Achillessehne. Genauer gesagt handelt es sich um eine Entzündung der Schleimbeutel, des Sehnenansatzes am Fersenbein oder des Gleitgewebes rund um die Achillessehne. In der Fachsprache wird auch von einer Tendinopathie der Achillessehne gesprochen.
In der Fachliteratur wird dabei zwischen insertionaler (am Sehnenansatz am Calcaneus) und midportionaler Tendinopathie unterschieden.

Welche Symptome weisen auf eine Achillodynie hin?
Die meisten Betroffenen berichten zunächst über einen fersennahen Schmerz bei Belastung. Typisch ist ein sogenannter Anlaufschmerz: Die Beschwerden treten zu Beginn des Trainings auf und lassen im Verlauf nach.
Im weiteren Verlauf verändert sich das Beschwerdebild charakteristisch:
- Schmerzen auch während der Belastung (nicht mehr nur am Anfang)
- Schmerzen in Ruhe und nach dem Training
- Tastbare oder sichtbare Verdickung der Sehne
- Druckempfindlichkeit an der entzündeten Stelle
- „Knarrendes“ Geräusch beim Beugen und Strecken des Fußes (Krepitation)
Wenn Sie mehrere dieser Symptome bei sich beobachten, sollten Sie die Trainingsbelastung umgehend reduzieren und ärztlichen Rat suchen.
Wie entsteht eine Achillodynie? Die häufigsten Ursachen
Für die Entstehung einer Achillodynie kommen mehrere Faktoren in Frage. Im Wesentlichen lassen sich zwei Bereiche unterscheiden: Trainingsbedingte Fehlbelastungen und anatomische Gegebenheiten.
Welche Trainingsfehler begünstigen eine Achillodynie?
Die häufigste Ursache ist eine zu rasche Steigerung der Trainingsintensität oder des Trainingsumfangs. Sehnen regenerieren grundsätzlich erheblich langsamer als Muskelgewebe. Diese unterschiedlichen Anpassungsgeschwindigkeiten verleiten viele Läuferinnen und Läufer dazu, das Training schneller zu intensivieren, als die Sehnenstruktur verkraften kann.
Weitere trainingsbedingte Risikofaktoren:
- Mangelhafte Lauftechnik (z.B. übermäßige Pronation, Fersenaufsatz)
- Falsches oder ungeeignetes Schuhwerk
- Unzureichende Aufwärmroutine
- Zu kurze Regenerationsphasen
Gerade bei der Lauftechnik und der Schuhauswahl lohnt sich die professionelle Beratung: Ein ausgebildeter Lauftrainer kann durch eine Lauftechnikanalyse gezielt aufzeigen, wo Anpassungsbedarf besteht.
Welche anatomischen Faktoren spielen eine Rolle?
Bestimmte körperliche Voraussetzungen können die Entstehung einer Achillodynie begünstigen:
- Erhöhte Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk (führt zu verstärkter Pronation)
- Fußfehlstellungen wie Hohlfuß oder Senkfuß
- Zu geringe Kraft der Wadenmuskulatur
- Arthrose des Großzehengrundgelenks (Hallux rigidus)
- Knorpelveränderungen im Sprunggelenk
- Frühere Verletzungen im Fußbereich
- Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus)
Hinzu kommen altersbedingte Veränderungen der Sehnenstruktur sowie – häufig unterschätzt – ein erhöhtes Körpergewicht, das die Belastung der Achillessehne dauerhaft erhöht.
Wie behandelt man eine Achillodynie wirkungsvoll?
Die gute Nachricht: Die meisten Achillodynie-Fälle lassen sich konservativ behandeln – ohne Operation. Entscheidend ist ein strukturiertes Vorgehen.
Akutphase: Was tun Sie sofort?
In der akuten Phase steht Belastungsreduktion an erster Stelle. Das bedeutet nicht, den Sport vollständig aufzugeben – aber das forcierte Training sollte deutlich zurückgefahren werden. Vollständige Schonung ist in der Regel nicht notwendig und oft sogar kontraproduktiv.
Besuchen Sie auf jeden Fall eine Orthopädin oder einen Orthopäden Ihres Vertrauens. Je nach Befund können folgende Maßnahmen sinnvoll sein:
- Einlagen zur Korrektur von Fußfehlstellungen
- Manuelle Behandlungen (z.B. Querfriktionsmassage)
- Temporäre Ruhigstellung (Immobilisation) in schweren Fällen
- Kräftigung der Schienbeinmuskulatur (M. tibialis posterior) und Gesäßmuskulatur
Welche Übungen helfen bei Achillodynie?
Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen überzeugend, dass exzentrisches Training der Wadenmuskulatur eine der wirksamsten konservativen Maßnahmen bei Achillodynie darstellt. Besonders das sogenannte Alfredson-Protokoll – ein strukturiertes exzentrisches Wadensenken – hat sich in zahlreichen Studien als belastbare Therapieoption erwiesen.
Aber Achtung: Das Alfredson-Protokoll ist primär für die midportionale Form indiziert – bei der insertionalen Form kann exzentrisches Wadensenken unter die Horizontale sogar kontraproduktiv sein. Fragen Sie zur Sicherheit Ihren Arzt oder Ihre Ärztin des Vertrauens.
So führen Sie das exzentrische Wadenheben durch:
- Stellen Sie sich mit dem Vorderfuß auf eine Stufe, Ferse frei in der Luft
- Heben Sie sich auf die Zehenspitzen (zur Not mit beiden Beinen)
- Senken Sie die Ferse kontrolliert nach unten – langsam und gebremst
- Das Absinken bremsen ist die eigentliche Übungsaufgabe
- Beginnen Sie mit 3 Serien à 15 Wiederholungen, 1–2x täglich
Führen Sie abwechselnd Serien mit gestrecktem und leicht gebeugtem Knie durch – das trainiert beide Anteile der Wadenmuskulatur.
Ergänzend zeigen neuere Untersuchungen vielversprechende Ergebnisse für Heavy Slow Resistance Training (HSR): schwere Wadenübungen mit langsamer Ausführungsgeschwindigkeit und höherem Widerstand. Bei anhaltenden Beschwerden lohnt es sich, diese Methode mit einem Physiotherapeuten oder qualifizierten Trainer zu besprechen.
Wichtig: Warten Sie ab, bis die akute Schmerzphase abgeklungen ist, bevor Sie das Training wieder intensivieren. Wer zu früh startet, riskiert eine Chronifizierung der Beschwerden.

Wie können Sie einer Achillodynie vorbeugen?
Prävention ist der wirkungsvollste Schutz. Diese Maßnahmen reduzieren Ihr Risiko nachweislich:
- Trainingssteuerung: Steigern Sie Umfang und Intensität schrittweise – nie mehr als 10% pro Woche
- Schuhwahl: Lassen Sie Ihren Laufschuh im Fachhandel mit Laufanalyse auswählen
- Lauftechnik: Lassen Sie Ihre Technik regelmäßig analysieren und korrigieren
- Kraft & Mobilität: Kräftigen Sie Waden, Schienbein und Gesäßmuskulatur kontinuierlich
- Regeneration: Planen Sie Ruhetage und leichte Einheiten bewusst ein
Für Lauftrainerinnen und Lauftrainer ist das Wissen um diese Präventionsstrategien ein zentrales Werkzeug: Sie können Ihren Teilnehmern zeigen, wie sie Belastung und Regeneration klug aufeinander abstimmen – und Verletzungen wie der Achillodynie gezielt vorbeugen.
Häufig gestellte Fragen zur Achillodynie
Die Heilungsdauer variiert stark – von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten. Akute Fälle können sich bei konsequenter Behandlung innerhalb von 4–8 Wochen bessern. Chronifizierte Beschwerden erfordern häufig eine längere, strukturierte Rehabilitation. Entscheidend ist, die Belastung nicht zu früh wieder zu erhöhen.
In der akuten Schmerzphase sollten Sie das forcierte Training deutlich reduzieren. Vollständige Laufpause ist meist nicht notwendig – langsames Laufen in geringem Umfang kann nach der akuten Phase sinnvoll sein. Hören Sie dabei auf Ihren Körper und konsultieren Sie eine Ärztin oder einen Arzt.
Es gibt keinen universellen „Achillodynie-Schuh“. Wichtig ist eine individuelle Laufschuhberatung mit Ganganalyse im Fachhandel. Bei Pronationstendenz können Stützschuhe sinnvoll sein; Fersenerhöhungen (Fersenkeile) können in der Akutphase kurzfristig Entlastung bringen. Klären Sie das mit Ihrer Orthopädin oder Ihrem Orthopäden ab.
Zu Beginn des exzentrischen Trainings können leichte Schmerzen auftreten – das gilt als tolerierbar, solange die Beschwerden nicht über den Trainingszeitraum hinaus anhalten oder sich verschlechtern. Bei starken Schmerzen sollten Sie die Belastung reduzieren und Rücksprache mit medizinischem Fachpersonal halten.
Sobald der Schmerz auch in Ruhe auftritt, die Sehne sichtbar verdickt ist oder die Beschwerden trotz Belastungsreduktion nach 1–2 Wochen nicht nachlassen, sollten Sie unbedingt eine Orthopädin oder einen Orthopäden aufsuchen. Eine frühzeitige Diagnose verhindert Chronifizierung und verkürzt die Gesamtheilung.
Fazit: Achillodynie ernst nehmen – und gezielt behandeln
Eine Achillodynie ist unangenehm, aber in den meisten Fällen gut behandelbar. Entscheidend ist eine frühzeitige Reaktion: Belastung reduzieren, ärztlichen Rat einholen, gezielt kräftigen – und Trainingsplanung sowie Lauftechnik kritisch hinterfragen.
Wer als Lauftrainerin oder Lauftrainer arbeitet oder dies anstrebt, tut gut daran, sich fundiertes Wissen über häufige Laufsportverletzungen wie die Achillodynie anzueignen. Denn nur wer Ursachen und Entstehungsmechanismen kennt, kann Teilnehmerinnen und Teilnehmer sicher und professionell begleiten.


