Wann haben Sie das letzte Mal gedacht: „Wow, das war eine fantastische Trainingseinheit!“? Wenn Sie gut gelungene Einheiten analysieren, lassen sich bestimmte Erfolgsfaktoren identifizieren. Denken Sie an eine Sporteinheit, an der Sie teilgenommen haben und die Sie außerordentlich begeistert hat. War es der strukturierte Aufbau und die fachlich fundierten Inhalte – oder eher die mitreißende Art des Trainers, seine Körpersprache und sein Auftreten?
Diese Frage beschäftigt Trainer weltweit: Wie viel hängt vom fachlichen Inhalt ab, wie viel von der Persönlichkeit? Die Antwort ist komplexer, als viele Kommunikationsmodelle suggerieren. Vor allem die berühmte 7%-38%-55%-Regel wird oft missverständlich interpretiert – mit Konsequenzen für Ihre Trainingsarbeit.
Was macht eine erfolgreiche Trainingseinheit aus?
Das Feedback unmittelbar nach einer Einheit zeigt, ob die Chemie zwischen Trainer und Teilnehmern gestimmt hat. Hat die Beziehungsebene funktioniert, fällt das Feedback durchweg positiv aus. Diese Sympathie überstrahlt so manches – selbst kleinere fachliche Unschärfen werden dann tendenziell großzügiger bewertet.
Funktioniert die Beziehungsebene weniger gut, sinkt auch die Gesamtbewertung. Gegen diese psychologische Gesetzmäßigkeit können wir uns kaum wehren. Feedback-Bögen erfassen daher nicht nur die objektive Kursqualität, sondern immer auch die subjektiv empfundene Sympathie.
Ein gewisser Anteil des Erfolgs von Trainingseinheiten hängt zweifellos von Ihrer Persönlichkeit ab. Doch wie groß ist dieser Anteil wirklich? Und welche Rolle spielt die Körpersprache dabei?

Wie wichtig ist Körpersprache wirklich beim Training?
Viele der gängigen Kommunikationsmodelle präsentieren uns Vereinfachungen. Eines der bekanntesten ist das Modell von Albert Mehrabian, das die sogenannte 7%-38%-55%-Regel definiert. Diese weit verbreitete, aber häufig missverstandene Regel besagt angeblich:
- 7% der Wirkung entstehen durch die eingesetzten Worte (Inhalt)
- 38% der Wirkung entstehen durch die Stimme (Tonfall, Betonung, Tempo)
- 55% der Wirkung entstehen durch die Körpersprache (Gestik, Mimik, Haltung)
Auf den ersten Blick scheinen nur 7% der Wirkung vom gesprochenen Wort abzuhängen – eine überraschend geringe Zahl. Tatsächlich ist diese Interpretation eine der häufigsten Fehlinterpretationen in Kommunikationstrainings.
Die Wahrheit hinter Mehrabians Forschung:
Albert Mehrabian bezog diese Verteilung in seiner Studie von 1967 ausschließlich auf das Äußern von Gefühlszuständen. Er betonte selbst wiederholt, dass diese Angaben nicht für das Transportieren von Informationen gelten – genau das, was Sie als Lauf-, Nordic Walking- oder Functional Trainer täglich tun.
Seine Untersuchung analysierte, wie Menschen bewerten, ob jemand eine Person mag oder nicht mag, wenn verbale und nonverbale Signale widersprüchlich sind (z.B. jemand sagt „Ich bin glücklich“ mit trauriger Stimme). Für Ihre Trainingsarbeit – das Vermitteln von Techniken, Bewegungsabläufen und Trainingsprinzipien – ist dieses Modell nicht anwendbar.
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Mehr InformationenWas bedeutet das für Ihre Arbeit als Trainer?
Die Kernbotschaft lautet: Das gesprochene Wort im Sinne des wiedergegebenen Inhalts ist niemals alleine für die Wirkung Ihrer Botschaft verantwortlich. Teilnehmer bewerten stets Ihren Gesamtauftritt – eine Kombination aus:
- Fachlicher Kompetenz (fundiertes Wissen, klare Erklärungen)
- Authentischem Auftreten (Körpersprache, die zu Ihren Worten passt)
- Empathischer Kommunikation (Stimme, die Motivation und Wertschätzung transportiert)
Die aktuelle Kommunikationsforschung zeigt eindeutig: Körpersprache und Stimme verstärken oder schwächen Ihre Botschaft – sie ersetzen aber niemals solides Fachwissen. Ein charismatischer Trainer ohne fundierte Inhalte wird auf Dauer genauso scheitern wie ein hochkompetenter Experte, der seine Teilnehmer durch monotone Stimmführung oder abweisende Körpersprache verliert.
Lesetipp: Wie Sie mit der 5-Finger-Methode konstruktives Teilnehmer-Feedback einholen.

Wie setzen Sie Körpersprache gewinnbringend ein?
Aus über 20 Jahren Erfahrung in der Trainerausbildung bei der Nordicfit Academy – mit über 5.000 ausgebildeten Trainern seit 2005 – haben sich folgende Strategien als besonders wirkungsvoll erwiesen:
1. Bewusste Gestik zur Verstärkung von Bewegungsabläufen
Zeigen Sie Bewegungen nicht nur vor, sondern unterstreichen Sie mit gezielten Handbewegungen die Richtung, Dynamik und Amplitude. Beispiel: Bei der Erklärung der Nordic Walking-Technik visualisieren Sie den Stockeinsatz durch eine klare Vorwärts-Rückwärts-Bewegung Ihrer Arme.
2. Blickkontakt für individuelle Ansprache
Suchen Sie regelmäßig Blickkontakt zu allen Teilnehmern – nicht nur zu den Aktiven in der ersten Reihe. Dies signalisiert Wertschätzung und ermöglicht Ihnen, Überforderung oder Unsicherheit frühzeitig zu erkennen.
3. Dynamische Stimmführung statt Monotonie
Variieren Sie Lautstärke, Tempo und Betonung. Bei Technik-Erklärungen sprechen Sie bewusst langsamer und deutlicher. In motivierenden Momenten (z.B. Endspurt beim Lauftraining) erhöhen Sie Tempo und Lautstärke.
4. Offene Körperhaltung für Vertrauen
Vermeiden Sie verschränkte Arme oder abgewandtes Stehen. Eine offene, zugewandte Haltung signalisiert Zugänglichkeit und lädt Teilnehmer ein, Fragen zu stellen.
5. Authentizität vor gekünsteltem Enthusiasmus
Bleiben Sie sich selbst treu. Teilnehmer erkennen schnell, wenn Begeisterung aufgesetzt wirkt. Authentische Freude an der Bewegung ist ansteckender als jede einstudierte Motivationsrede.
Welche typischen Fehler sollten Sie vermeiden?
Fehler 1: Übertriebene Gestik als Ablenkung
Zu viele Handbewegungen können von Ihren Worten ablenken. Setzen Sie Gestik gezielt ein, nicht permanent.
Fehler 2: Mangelnder Blickkontakt beim Vorzeigen von Übungen
Wenn Sie Übungen demonstrieren, schauen Sie nicht nur auf Ihre eigenen Bewegungen, sondern regelmäßig zu den Teilnehmern – so zeigen Sie, dass Sie deren Ausführung im Blick haben.
Fehler 3: Monotone Stimme bei längeren Erklärungen
Gerade bei theoretischen Einheiten (z.B. Trainingslehre) ist stimmliche Dynamik entscheidend, um Aufmerksamkeit zu halten.
Fehler 4: Inkongruenz zwischen Worten und Körpersprache
Wenn Sie sagen „Das schaffen Sie problemlos“, dabei aber skeptisch die Augenbrauen hochziehen, glauben Teilnehmer Ihrer Körpersprache – nicht Ihren Worten.

Wie können Sie Körpersprache und Stimme gezielt trainieren?
Die gute Nachricht: Körpersprache und Stimmführung lassen sich systematisch verbessern. Praktische Übungen für den Alltag:
- Video-Selbstanalyse: Nehmen Sie eine Ihrer Trainingseinheiten auf (mit Erlaubnis der Teilnehmer) und analysieren Sie Gestik, Mimik und Stimme.
- Feedback-Runden: Bitten Sie vertraute Teilnehmer um ehrliches Feedback zu Ihrem Auftreten – nicht nur zu den Inhalten.
- Stimmtraining: Lesen Sie laut vor und experimentieren Sie bewusst mit Lautstärke, Tempo und Pausen. Apps für Stimmtraining können hilfreich sein.
- Gestik-Übungen vor dem Spiegel: Üben Sie, Bewegungsabläufe mit klaren Handbewegungen zu begleiten. Was wirkt natürlich? Was übertrieben?
Häufig gestellte Fragen zu Körpersprache im Training
Absolut. Authentizität ist wichtiger als Extrovertiertheit. Ruhige, klare Kommunikation mit gezielter Körpersprache kann genauso überzeugend sein wie ein energiegeladener Auftritt. Viele erfolgreiche Trainer sind introvertiert und punkten durch Empathie und präzise Anleitung.
Sehr wichtig – sogar noch wichtiger als in Präsenz. Über die Kamera sehen Teilnehmer primär Ihren Oberkörper und Ihr Gesicht. Mimik, Augenkontakt (in die Kamera schauen!) und Handbewegungen im Bildausschnitt entscheiden über die Verbindung zu den Teilnehmern.
Nein, auf keinen Fall. Optimieren Sie bewusst einzelne Aspekte (z.B. mehr Blickkontakt, klarere Gestik), aber bleiben Sie authentisch. Teilnehmer erkennen sofort, wenn Verhalten aufgesetzt wirkt.
Achten Sie auf nonverbale Rückmeldungen: Nicken die Teilnehmer? Halten sie Blickkontakt? Wirken sie entspannt oder angespannt? Gutes Feedback nach der Einheit ist ebenfalls ein Indikator – wenn Teilnehmer Punkte nennen, die auf das subjektive Empfinden im Training hindeuten, zeigt das, dass mehr als nur der Inhalt gewirkt hat.
Ja, insbesondere bei der Distanzzone (wie nah Sie Teilnehmern kommen) und bei Augenkontakt (in manchen Kulturen als intensiv empfunden). In multikulturellen Gruppen ist es hilfreich, bewusst respektvoll zu agieren und im Zweifel eher zurückhaltender zu sein.
Fazit: Ihre Persönlichkeit verstärkt Ihre Kompetenz
Die Frage „Inhalt oder Persönlichkeit – was wirkt stärker?“ führt in die Irre. Erfolgreiche Trainingseinheiten entstehen durch die Kombination aus fundiertem Fachwissen, klarer Didaktik und authentischer Körpersprache. Das Mehrabian-Modell sollten Sie für Ihre Trainingsarbeit ignorieren – es ist für die Informationsvermittlung nicht relevant.
Was zählt: Entwickeln Sie sich kontinuierlich weiter – fachlich und kommunikativ. Nutzen Sie Körpersprache und Stimme bewusst, um Ihre Expertise zu unterstreichen, nicht zu ersetzen. Teilnehmer suchen nach Trainern, die nicht nur wissen, wovon sie sprechen, sondern die es auch verstehen, dieses Wissen lebendig und motivierend zu vermitteln.
Überlegen Sie konkret: Welchen der fünf Praxistipps aus diesem Artikel werden Sie in Ihrer nächsten Trainingseinheit umsetzen? Beginnen Sie mit einem – und beobachten Sie die Reaktion Ihrer Teilnehmer. Kleine Veränderungen in Ihrer Körpersprache können große Wirkung entfalten.
Möchten Sie Ihre Kompetenzen als Trainer professionalisieren? In den praxisorientierten Ausbildungen der Nordicfit Academy lernen Sie nicht nur die fachlichen Grundlagen, sondern auch, wie Sie Ihr Wissen didaktisch fundiert und mit überzeugender Ausstrahlung vermitteln. Informieren Sie sich jetzt über die Trainer-Lizenzen für Nordic Walking, Laufen, Mobility und Functional Training.


