Eine häufige Verletzung beim Laufen: Achillodynie

Bestimmt ist Ihnen der griechische Held Achilleus noch aus dem Geschichtsunterricht in Erinnerung. Und wenn nicht aus dem Geschichtsunterricht, dann vielleicht aus dem Film Troja mit Brad Pitt.
Schon Achilleus, der eigentlich unverwundbar sein sollte, hatte zu guter Letzt seine Not mit der Ferse. Als einzige verwundbare Stelle am Körper wurde der arme Kerl genau dort von einem Pfeil des Apollon getroffen und starb.

Wenngleich wir heute darüber schmunzeln, dass der arme Achilleus durch einen Treffer an der Achillesferse sterben musste, so können mache Sportler zumindest den Schmerz andeutungsweise nachempfinden.

 

Die Achillessehne

Die Achillessehne ist mit einem mittleren Querschnitt von 80mm2 die kräftigste Sehne des gesamten Körpers. Das muss sie auch sein, denn die Belastungen auf die Achillessehne sind mitunter beträchtlich. Bereits bei normaler Gehgeschwindigkeit entstehen Kräfte im Bereich des 3-4fachen Körpergewichts. Bei Laufgeschwindigkeiten um 20km/h erhöht sich die Belastung auf bis zum 12fachen des Körpergewichts. Rechnen Sie doch einmal überschlagsmäßig was dabei in Ihrem Fall herauskommt!

Die Aufgabe der Achillessehne ist es, die Kraft des Musculus triceps surae, also der Wadenmuskulatur auf das Fersenbein zu übertragen.

Dadurch sind Sie in der Lage eine Plantarflexion (Beugung des Fußes in Richtung der Fußsohle) und eine Inversion (Auswärtskantung) des Fußes durchzuführen. Sie führen diese Bewegungen jedes Mal durch, wenn Sie sich auf die Zehenspitzen stellen oder, wenn Sie durch die Anspannung der Muskulatur verhindern, dass Sie im Stand nach vorne kippen. Zudem hat die Wadenmuskulatur auf stabilisierende Wirkung auf das Kniegelenk und das Sprunggelenk.

 

Eine Achillodynie ist eine Entzündung an der Achillessehne

Genauer gesagt handelt es sich um eine Entzündung der Schleimbeutel im Bereich der Achillessehne, des Sehnenansatzes am Fersenbein oder des Gleitgewebes um die Achillessehne.

 

Welche Symptome bestehen bei einer Achillodynie?

Die meisten „Opfer“ einer Achillodynie berichten über einen fersennahen Schmerz bei der Belastung. Zuallererst tritt dieser Schmerz im Sinne eines Anlaufschmerzes nur zu Beginn des Trainings auf und ist während der Belastung nicht mehr zu spüren.

Im Verlauf tritt der Schmerz auch während der Belastung auf und später sogar im Ruhezustand. Dazu kommt dann meist auch eine Verdickung der Sehne und eine Druckempfindlichkeit an der entzündeten Stelle.

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass Sie beim Beugen und Strecken des Fußes ein leicht „knarrendes“ Geräusch hören.

 

Wie entsteht eine Entzündung der Achillessehne?

Wie immer gibt es mehrere Wege, die zu einer bestimmten Sportverletzung führen. Im wesentlichen können wir hierbei aber zwischen zwei Komponenten unterscheiden.

  1. Fehlbelastungen beim Training
  2. Anatomische Gegenbenheiten

Fehlbelastungen beim Training

In der Regel provozieren Sportler eine Achillodynie durch eine zu hohe Trainingsintensität oder eine zu rasche Steigerung derselben. Sehnen sind in ihrer Regeneration grundsätzlich sehr langsam. Auf jeden Fall erheblich langsamer als die Muskulatur. Diese unterschiedlichen Regenerationsgeschwindigkeiten verleiten zu einer raschen Steigerung der Trainingsintensität.

Auch eine mangelhafte sportliche Technik (vor allem Lauftechnik) oder das falsche Schuhmaterial sind problematisch und können die Entstehung einer Entzündung begünstigen. An dieser Stelle sollten Sie überlegen, ob Sie den Rat eines ausgebildeten Lauftrainers suchen. Sowohl zur Lauftechnik als auch zur richtigen Schuhwahl können Ihnen unsere Lauftrainer bestimmt weiterhelfen.

Anatomische Gegebenheiten

Bestimmte Fehlstellungen oder Veränderungen können das Entstehen einer Achillodynie begünstigen. Ein häufiger Ausgangspunkt einer Achillodynie kann eine erhöhte Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk sein, welche zu einer erhöhten Pronation beim Laufen führt. Hier sei nochmals auf die Auswahl des richtigen Schuhwerks hingewiesen.

Auch Fußfehlstellungen, wie z.B. der Hohlfuß oder zu wenig Kraft der Wadenmuskulatur können Mitverursacher sein.

Weitere mögliche Ursachen, die zur Entstehung einer Achillodynie beitragen können:

  • Arthrose des Großzehengrundgelenks (hallux rigidus)
  • Knorpelveränderungen im Bereich des Sprunggelenks
  • ehemalige Verletzungen im Bereich des Fußes
  • Stoffwechselerkrankungen, wie z.B. Diabetes mellitus.

Letztlich werden auch Sehnen älter und haben mit dem (häufig) zunehmenden Körpergewicht zu kämpfen.

 

Wie behandelt man eine entzündete, schmerzende Achillessehne

Zuallererst steht – der Hausverstand hat es Ihnen bestimmt schon geflüstert – die Belastungsreduktion. Fahren Sie Ihr sportliches Programm in der Akutphase herunter.

Wadenheben bei Schmerzen Achillessehne

Besuchen Sie auf jeden Fall einen Orthopäden Ihres Vertrauens. Dieser wird Ihnen auf Grund seiner fachmännischen Einschätzung – je nach vermuteter Ursache – unterschiedliche Hilfsmittel zukommen lassen, wie z.B. Einlagen zur Korrektur etwaiger Fehlstellungen.

Erschrecken Sie nicht, denn verschiedene manuelle Behandlungen oder sogar Immobilisationen gehören durchaus zum Behandlungsbild. Ein zentraler Bestandteil wird vermutlich auch das Kräftigen der Schienbeinmuskulatur (M. tibilais posterior) und der Gesäßmuskulatur sein. Gute Ergebnisse verspricht man sich vor allem von exzentrischem Training der Wadenmuskulatur.

Aktive Läufer können es meist nicht abwarten bis es endlich wieder losgeht mit dem forcierten Training. Warten Sietrotzdem so lange ab, bis die akute Phase abgeklungen ist. Beginnen Sie zu früh, kommen die Schmerzen wie ein Boomerang zurück und Sie verstärken die Symptomatik noch weiter. Gar nicht mehr zu laufen ist für gewöhnlich nicht erforderlich. Nach der Akutphase können Sie sich mit langsamen Tempo wieder herantasten. Bei einer derartigen Verletzung ist das behutsame Belasten der Strukturen durchaus sinnvoll.

Das exzentrische Wadenheben (in diesem Fall eher „Wadensenken“) können Sie zunächst mit drei Serien á 15 Wiederholungen auf einer Stufe versuchen. Halten Sie dabei Ihren Körper aufrecht und senken Sie die Ferse nach unten ab. Ihre Aufgabe ist dabei das Absinken zu bremsen. Beim Rückweg nach oben dürfen Sie mit Ihren Armen mithelfen um sich nach oben zu drücken.

Wenn es Ihnen gut tut, versuchen Sie es mit 2×3 Serien pro Tag und steigern Sie auf bis zu 4×3 Serien, wenn es besonders gut läuft. Wechseln Sie die Übungsausführung ab und führen Sie Serien mit gestrecktem Knie und auch mit leicht gebeugtem Knie durch.

 

Last but not least sollten Sie sich fragen, ob Ihre Lauftechnik mittels Analyse durch einen ausgebildeten Lauftrainer begutachtet werden soll. Ein Lauftrainer bzw. Laufinstructor ist in der Lage Ihre Lauftechnik dahingehend zu analysieren und kann Ihnen entsprechende Übungen zeigen. Der Umgang mit Sportverletzungen wie der Achillodynie sowie die Prävention derselben lernen Sie auch in unserer Ausbildung zum Lauf Instructor.